Zahnschmerzen

Schmerzart und mögliche Ursache

Die Art des Schmerzes kann Hinweise darauf geben, welche Bereiche eines Zahns oder des Zahnfleischs betroffen sind. Ein kurzer Reizschmerz unterscheidet sich beispielsweise von einem spontanen Pochen oder Beschwerden beim Zubeißen. Die folgende Übersicht ordnet typische Muster möglichen Zahnschmerzen Ursachen zu und nennt Untersuchungen, mit denen sie abgeklärt werden können. Sie bietet nur Orientierung: Ähnliche Beschwerden können verschiedene Auslöser haben, die sich ohne Untersuchung nicht sicher unterscheiden lassen.

Kurzer Schmerz bei Kalt, Heiß oder Süß

Schmerzarten, mögliche Auslöser und zahnärztliche Prüfung
SchmerzartGefühl und typischer AuslöserMögliche UrsachenZahnärztliche Prüfung
Kurzer ReizschmerzStechend bei kalten, heißen, süßen oder sauren Speisen; klingt meist nach dem Reiz ab.Freiliegendes Dentin oder frühe Karies.Sichtkontrolle, Kältetest und Prüfung auf kariöse Stellen.
Pochender DauerschmerzSpontanes oder anhaltendes Pochen, oft auch nachts.Entzündung der Zahnpulpa.Vitalitätsprüfung, Klopftest und gegebenenfalls Röntgenbild.
Schmerz beim ZubeißenDruckschmerz beim Kauen oder beim Entlasten des Zahns.Entzündung an der Wurzelspitze, Zahnriss oder zu hohe Füllung.Bissprobe, Prüfung der Füllung und Klopftest.
Schmerz am ZahnfleischEmpfindlichkeit, Druckschmerz oder Schmerzen beim Kauen am Zahnfleischrand.Gingivitis, Parodontalabszess oder Perikoronitis.Kontrolle von Zahnfleisch, Zahnfleischtaschen und teilweise durchgebrochenen Zähnen.

Ein kurzer, stechender Schmerz durch Kälte, Süßes oder Säure passt zu Dentinhypersensibilität, kann aber auch bei beginnender Karies auftreten. Bei freiliegenden Dentinkanälchen bewegen sich Flüssigkeitsteilchen im Dentin; Brännströms hydrodynamische Theorie aus den 1960er-Jahren beschreibt, wie diese Bewegung Schmerzfasern reizen kann.

Empfindliche Zähne und freiliegende Zahnhälse sind mögliche Gründe für die Reaktion, während Karies zunächst kaum sichtbare Veränderungen verursachen kann. Die Tabelle grenzt Möglichkeiten ein, stellt aber keine Diagnose dar: Erst die zahnärztliche Untersuchung kann klären, ob Dentin freiliegt oder eine kariöse Stelle vorliegt.

Pochender Dauerschmerz

Ein spontan einsetzender, pochender Schmerz, der anhält oder nachts stärker auffällt, kann zu einer entzündeten Zahnpulpa passen. Die Pulpa ist das Gewebe im Zahninneren mit Nerven und Blutgefäßen; eine solche Entzündung heißt Pulpitis. Bei einer irreversiblen Pulpitis ist das Gewebe nicht mehr in der Lage, sich zu erholen. Wärme verstärkt den Schmerz dabei häufig, während Kälte ihn vorübergehend lindern kann. Dieses Muster ist jedoch kein sicherer Nachweis: Für die Einordnung prüft der Zahnarzt unter anderem die Reaktion auf Kälte und Wärme, klopft den Zahn ab und beurteilt den Befund im Zusammenhang mit den übrigen Untersuchungsergebnissen.

Schmerz beim Zubeißen

Schmerzen beim Zubeißen können durch eine Entzündung an der Wurzelspitze entstehen, wenn das Gewebe um die Zahnwurzel auf Druck empfindlich reagiert. Auch ein feiner Riss im Zahn kann beim Belasten Beschwerden auslösen; solche Risse sind nicht immer mit bloßem Auge zu erkennen. Eine Füllung, die im Biss zu hoch steht, verursacht ebenfalls Druckschmerz, oft vor allem beim Zusammenbeißen. Bei der Untersuchung prüft der Zahnarzt den Biss, belastet einzelne Höcker gezielt und testet die Empfindlichkeit beim Abklopfen. Je nach Befund kann eine Röntgenaufnahme Hinweise auf Veränderungen an der Wurzelspitze geben.

Schmerz am Zahnfleisch

Gingivitis bedeutet Zahnfleischentzündung: Das Zahnfleisch kann gerötet, geschwollen und bei Berührung oder beim Zähneputzen empfindlich sein. Ein Parodontalabszess ist eine örtliche Eiteransammlung im Zahnhalteapparat und kann sich als begrenzter, druckempfindlicher Bereich bemerkbar machen. Perikoronitis bezeichnet die Entzündung des Zahnfleischs um einen teilweise durchgebrochenen Zahn, häufig um einen Weisheitszahn; dabei schmerzt oft die über dem Zahn liegende Zahnfleischpartie. Die Beschwerden können sich überschneiden, und manche Ursachen liegen unter dem Zahnfleisch oder zwischen den Zähnen verborgen. Eine Kontrolle von Zahnfleischrand, Zahnfleischtaschen und Zahndurchbruch hilft, die Ursache zu unterscheiden.

Ursachen außerhalb des Zahns

Schmerzen an Zähnen entstehen nicht immer durch Schäden am Zahn selbst. Auch die Kieferhöhle, Kaumuskeln und Kiefergelenke liegen nahe genug, dass Beschwerden in die Zahnregion ausstrahlen können. Bei oberen Backenzähnen oder morgens nach dem Aufwachen können Begleitmuster wie Erkältung, Druck im Gesicht oder beidseitige Muskelspannung Hinweise geben. Eine zahnärztliche Untersuchung kann Zähne und angrenzende Strukturen gemeinsam berücksichtigen.

Kieferhöhle

Die Kieferhöhle liegt oberhalb der oberen Backenzähne; bei manchen Menschen reichen deren Wurzeln sehr nah an den Höhlenboden heran. Weil die knöcherne Trennschicht dort dünn sein kann, lässt sich Druck oder eine Entzündung der Kieferhöhle mitunter als Schmerz in mehreren oberen Zähnen wahrnehmen. Die Beschwerden müssen dann nicht von einem einzelnen Zahn ausgehen.

Eine Erkältung mit verstopfter Nase und Druckgefühl in der Wange passt zu einer möglichen Entzündung der Kieferhöhle, medizinisch Sinusitis maxillaris. Häufig betrifft das Druckgefühl die Region unterhalb des Auges und kann sich beim Bücken verstärken. Treten die Schmerzen zusammen mit solchen Erkältungszeichen auf, ist die Kieferhöhle als mögliche Ursache mit zu bedenken. Bleibt die Ursache unklar, kann die zahnärztliche Untersuchung prüfen, ob ein Zahnproblem vorliegt oder die Beschwerden eher aus der Umgebung stammen.

Knirschen und Kiefergelenk

Bruxismus bezeichnet wiederholtes Zähneknirschen oder kräftiges Zähnepressen, oft unbewusst im Schlaf, aber auch tagsüber. Dabei wirken über längere Zeit hohe Kräfte auf Zähne, Kaumuskeln und Kiefergelenke. Beschwerden können deshalb an mehreren Zähnen auftreten, obwohl kein Zahn beschädigt ist. Eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) beschreibt Funktionsstörungen im Zusammenspiel von Kiefergelenken, Kaumuskeln und Biss; sie kann ebenfalls Schmerzen in diesen Bereichen auslösen.

Beidseitige Beschwerden oder ein schmerzender, verspannter Kiefer am Morgen passen zu nächtlichem Pressen oder Knirschen. Die Kaumuskeln können druckempfindlich sein, und Schmerzen können bis zu den Schläfen oder in den Kiefergelenkbereich reichen. Glatte, abgeflachte Abriebflächen an den Kauflächen sind mögliche Spuren wiederholter Belastung, aber für sich allein kein Beweis für Bruxismus. Bei der zahnärztlichen Untersuchung lassen sich Zahnoberflächen und Biss betrachten; auch Kaumuskeln und Kiefergelenke können in die Beurteilung einbezogen werden. Bei beidseitigen oder morgendlichen Beschwerden hilft es daher, neben einzelnen Zähnen auch die Kieferfunktion untersuchen zu lassen.

Warnzeichen, die zeitnah abgeklärt werden sollten

Bei Zahnschmerzen ist entscheidend, ob Beschwerden eine zahnärztliche Untersuchung am selben Tag erfordern oder einen medizinischen Notfall darstellen. Bestimmte Begleitzeichen können auf eine rasch behandlungsbedürftige Situation hindeuten. Atem- und Schluckprobleme sowie bestimmte Kombinationen mit Brustbeschwerden verlangen eine andere Reaktion als eine Verletzung des Zahns. Die folgenden Hinweise helfen, die Dringlichkeit einzuordnen und die passende Anlaufstelle zu wählen.

Schwellung und Fieber

Prüfen Sie bei Zahnschmerzen gezielt, ob zusätzlich eines dieser Zeichen auftritt:

  • Eine sichtbar zunehmende Schwellung an der Wange oder im Gesicht, besonders wenn sie sich über Stunden ausbreitet.
  • Fieber zusammen mit Zahnschmerz oder einer Schwellung; messen Sie die Temperatur, wenn ein Thermometer verfügbar ist.
  • Schwierigkeiten, den Mund wie gewohnt zu öffnen, etwa wenn Kauen oder Sprechen dadurch deutlich eingeschränkt ist.
  • Mehrere dieser Beschwerden gleichzeitig oder eine rasche Verschlechterung des Allgemeinbefindens innerhalb desselben Tages.

Bei Schwellung, Fieber oder eingeschränkter Mundöffnung sollte die Situation noch am selben Tag zahnärztlich beurteilt werden. Ist die Praxis geschlossen, wenden Sie sich an den regionalen zahnärztlichen Notdienst.

Atem- und Schluckbeschwerden

Atem- oder Schluckbeschwerden sind bei Zahnschmerzen Notfallzeichen. Rufen Sie in dieser Situation sofort den Notruf 112, statt auf einen regulären Zahnarzttermin oder die Öffnungszeiten einer Praxis zu warten. Das gilt insbesondere, wenn das Atmen schwerfällt, Speichel kaum geschluckt werden kann oder sich die Beschwerden rasch verstärken. Auch ausstrahlender Kieferschmerz zusammen mit Brustschmerz oder Kurzatmigkeit kann selten auf eine kardiale, also das Herz betreffende Ursache hindeuten. Bei dieser Kombination ist ebenfalls der Notruf 112 die richtige Anlaufstelle. Entscheidend ist, die Begleitbeschwerden am Telefon klar zu nennen; eine zahnärztliche Abklärung allein reicht bei solchen Notfallzeichen nicht aus.

Schmerz nach einem Unfall

Ein Zahn, der nach einem Sturz oder Schlag abgebrochen oder ausgeschlagen ist, sollte schnell zahnärztlich untersucht werden. Auch wenn der Schmerz zunächst gering erscheint, lässt sich eine Verletzung des Zahns oder des umliegenden Gewebes ohne Untersuchung nicht zuverlässig beurteilen. Warten Sie bei einem ausgeschlagenen Zahn nicht bis zu einem regulären Kontrolltermin, sondern nehmen Sie umgehend Kontakt zu einer Zahnarztpraxis oder zum zahnärztlichen Notdienst auf. Außerhalb der üblichen Öffnungszeiten ist die Notfallversorgung regional organisiert: Die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen informieren über den zuständigen zahnärztlichen Notdienst. Praktisch gilt: Bei einem abgebrochenen oder ausgeschlagenen Zahn noch am selben Tag eine zahnärztliche Anlaufstelle kontaktieren und die Verletzung kurz schildern.

Vorbereitung auf den Zahnarztbesuch

Bei Zahnschmerzen kann eine kurze, geordnete Notiz helfen, den Verlauf beim Termin präzise zu schildern. Halten Sie Beobachtungen möglichst zeitnah fest, statt sich allein auf die Erinnerung zu verlassen. Eine Reihenfolge nach Datum und Uhrzeit macht Veränderungen über mehrere Tage leichter nachvollziehbar. Ergänzen Sie außerdem wichtige Angaben zu Ihrer Gesundheit und bisherigen Behandlungen.

Was man beobachten kann

Eine Checkliste hilft, den Verlauf der Beschwerden beim Termin vollständig zu beschreiben. Notieren Sie möglichst konkrete Angaben statt nur „Zahnschmerzen“.

  • Halten Sie fest, wann die Beschwerden begonnen haben, ob der Schmerz plötzlich auftrat oder sich über Stunden beziehungsweise Tage entwickelte, und notieren Sie Datum sowie Uhrzeit.
  • Beschreiben Sie, wodurch der Schmerz ausgelöst wird, etwa beim Essen, Trinken oder Zähneputzen, und ob derselbe Auslöser bei jedem Auftreten eine Rolle spielt.
  • Ordnen Sie die Schmerzart möglichst genau ein: Ist der Schmerz stechend, pochend oder ziehend, und bleibt er an einem Zahn oder strahlt er aus?
  • Notieren Sie, wie lange einzelne Schmerzepisoden dauern, wie häufig sie auftreten und ob zwischen den Episoden vollständige Beschwerdefreiheit besteht.
  • Vermerken Sie, ob Sie nachts durch den Schmerz aufwachen und ob Ihnen eine Schwellung oder Fieber aufgefallen ist; bei Fieber kann die gemessene Temperatur hilfreich sein.

Eine kurze Notiz mit Datum, Uhrzeit und den wichtigsten Veränderungen lässt sich beim Gespräch leichter ergänzen.

Was dem Zahnarzt mitgeteilt werden sollte

Auch Angaben zur allgemeinen Gesundheit und zur Vorgeschichte sind für die Anamnese wichtig. Schreiben Sie die folgenden Punkte vor dem Termin auf.

  • Nennen Sie bekannte Vorerkrankungen, etwa Diabetes oder Erkrankungen des Immunsystems, und geben Sie an, ob sich daran in letzter Zeit etwas geändert hat.
  • Führen Sie regelmäßig eingenommene Medikamente mit Name und Dosierung auf; erwähnen Sie Blutverdünner ausdrücklich und notieren Sie, wann Sie sie üblicherweise einnehmen.
  • Teilen Sie bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten mit und nennen Sie, soweit bekannt, den betroffenen Wirkstoff oder das Material sowie die Reaktion darauf.
  • Berichten Sie über frühere zahnärztliche Behandlungen, zum Beispiel Wurzelbehandlungen, Kronen oder Implantate, und nennen Sie ungefähre Zeitpunkte.
  • Erwähnen Sie kürzlich erfolgte Behandlungen am betroffenen Zahn und beschreiben Sie, wann sie stattfanden und ob danach neue Beschwerden aufgetreten sind.

Diese Angaben können die Untersuchung gezielter machen und verkürzen, weil bekannte Risiken, Medikamente und Vorbehandlungen von Anfang an berücksichtigt werden. Nehmen Sie Ihre Notizen und eine aktuelle Medikamentenliste zum Termin mit.